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Die Frankfurter Tafel e.V. in der Presse
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Die Frankfurter Tafel e.V. in der Presse
2000 - EKHN Evangelische Kirche Hessen - Nassau
Weg von der Straße / Obdachlosenarbeit: Der Tagestreff im Frankfurter Bahnhofsviertel
Die Frankfurter Weserstraße ist eine Straße der Kontraste: Hier begegnet man gestylten Bankern mit Handy, dort Menschen in abgetragener Kleidung, die ihr ganzes Hab und Gut in einem Rucksack mit sich herumtragen. In direkter Nachbarschaft ragen imposant die Spiegeltürme der Bankenhochhäuser in den Himmel.
Hier im Frankfurter Bahnhofsviertel betreut Matthias Roth Obdachlose: »Die Leute können kommen und gehen, wie sie wollen«, erläutert der Sozialarbeiter vom »Tagestreff« in der evangelischen Weißfrauenkirche sein Konzept. Seit 1997 vermietet die Kirchengemeinde Räume ihrer Unterkirche an das Diakonische Werk, um so Wohnsitzlosen wirkungsvoll helfen zu können. Sie selbst beteiligt sich mit einem regelmäßigen Vespertreff an der Arbeit; auch Pfarrer Schneider lässt sich regelmäßig beim »Tagestreff« blicken.
Eine »Alternative zur Straße« will Sozialarbeiter Matthias Roth den Wohnsitzlosen bieten und pflegt dazu einen regen Austausch mit der Beratungsstelle für obdachlose Männer gleich um die Ecke. »Wenn mal jemand duschen will, schicken wir ihn rüber«, bekräftigen seine Kollegen dort. Im Sommer benutzen Hilfsbedürftige vermehrt die Duschen, im Winter suchen sie einen Schlafplatz, weil es draußen zu kalt ist. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Ambulanz und Suchtberatung schauen hier regelmäßig vorbei.
Ein Dach über dem Kopf Manche »Tagestreff«-Besucher kommen regelmäßig, andere tauchen einmal auf und dann nie wieder. »Ein generelles Problem ist, dass Leute immer länger auf der Straße leben«, merkt Matthias Roth an und ergänzt: »Und von da wollen manche auch nicht weg.« Es ist schwierig, mit diesen Menschen Kontakt zu bekommen. Mit anderen ist zumindest ein Gespräch kein Problem. So auch mit Peter K., einem Polen, der seit 12 Jahren in Deutschland lebt. Er ist froh, im »Tagestreff« Landsleute zu treffen, Karten zu spielen, Spaß zu haben. »Es tut gut, dass man hier einfach nur sitzen kann und nicht gefragt wird, was mit einem los ist.«
Auch Roth weiß, welch große Rolle das spielt: »Wir geben den Leuten einfach ein Dach über dem Kopf, keiner muss Auskunft über sich geben«, betont er. Wenn die Besucher jedoch Hilfe benötigen, stehen die vier Leute seines Teams bereit. Dann vermitteln sie beispielsweise die Hilfebedürftigen an Beratungsstellen oder in Wohnheime. Bei Behördengängen hingegen können sie nur in Ausnahmefällen helfen, dafür sind in erster Linie andere Einrichtungen zuständig.
Mitverantwortung als Maxime Wer möchte, kann beim »Tagestreff« Verantwortung übernehmen. »Es ist immer was zu tun«, sagt Roth. Die zwei Aufenthaltsräume müssen in Ordnung gehalten werden, ebenso die Duschen und Toiletten, jemand muss sich um die Küche kümmern und die Benutzung der Waschmaschinen organisieren. Diese freiwilligen Helfer kümmern sich auch darum, dass Kaffee gekocht und das Essen verteilt wird. Hierfür bekommt der »Tagestreff« regelmäßig Brot und Wurst oder Käse von der »Frankfurter Tafel«. Das ist eine Hilfsorganisation, die dafür sorgt, dass Lebensmittel, die in Märkten oder Gaststätten übrig bleiben, Bedürftigen zukommen. Das Essen ist umsonst, Kaffee und Wäsche-Waschen kosten im »Tagestreff« etwas. »Wir wollen keine Almosen verteilen, sondern die Leute wieder an ein normales Leben heranführen«, lautet Roths Maxime. Deshalb ist einer der Räume auch wie ein kleines Büro mit Telefon und PC eingerichtet. Dort können die Besucher Briefe an Ämter schreiben oder - auch gegen einen kleinen Beitrag - telefonieren. Doch viele, erklärt Roth, seien dazu nicht in der Lage. »Wir haben eine ganze Reihe psychisch Gestörter hier, die ziehen sich in eine Ecke zurück und sind schwer ansprechbar.«
Schritte aus der Isolation Probleme bereitet ihm oft der Umgang von Besuchern mit dem Inventar. »Es geht viel kaputt«, bedauert der Sozialarbeiter. Obwohl Alkohol, Drogen und Gewalt verboten sind, kann man sie nie vollständig ausschließen. Deshalb sind die Räume schon so funktionell wie möglich eingerichtet. Bilder, Pflanzen und freundliche Farben lockern die Atmosphäre auf. »Zwei der Bilder hat einer der Besucher gemalt, der hatte sogar schon mal eine Ausstellung«, freut sich Matthias Roth.
Die meisten der täglich um die 70 bis 80 Besucher sind Männer, nur etwa ein Zehntel sind Frauen. Es gibt jeweils einen Ruheraum für Frauen und Männer. Dort können die Besucher tagsüber in Betten schlafen. Doch auch Freizeitaktivitäten stehen regelmäßig auf dem Plan: Ausflüge, Gartenarbeit, ein Tischtennisturnier. In kleinen Schritten will Roth die Besucher des Tagestreffs aus ihrer Isolation auf der Straße herausholen: »Es ist einfach gut, wenn sie hier sind, wir können ihnen ein soziales Umfeld bieten«.
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